So erlebt Hamburg die Bundestagswahl 2017 von MOPO

Am Sonntag wählt Deutschland einen neuen Bundestag. Seit Monaten kämpfen die Parteien mit ihren Spitzenkandidaten um die Gunst der Wähler. In den Umfragen liegt Kanzlerin Angela Merkel mit der CDU klar vorn. SPD-Herausforderer Martin Schulz, der Anfang des Jahres noch aussichtsreich im Rennen lag, hat laut Prognosen kaum eine Chance aufs Kanzleramt.

Währenddessen gilt es als sicher, dass die AfD erstmals in den Bundestag ziehen wird. In einigen Umfragen war sie sogar drittstärkste Kraft. Christian Lindner dürfte mit seiner FDP das Comeback schaffen. Nach der historischen Wahlschlappe 2013 (4,8 Prozent) fiel er vor allem durch einen digitalen Wahlkampf auf, der sich offenbar rentieren wird für seine Partei.

Die Grünen könnten von der Opposition in die Regierungsverantwortung wechseln. Eine sogenannte „Jamaika-Koalition“ mit CDU/CSU und den Liberalen wäre laut Umfragen durchaus möglich. Die Linke, zuletzt zahlenmäßig stärkste Oppositionspartei, werden ihre Rolle wohl erneut einnehmen – mit weniger Sitzen.

In Hamburg werden wir einige Wahlpartys der Parteien begleiten. Wir sprechen mit den Politikern, fangen Emotionen und Stimmen ein. Im Liveticker werden wir den Abend mit mehreren Reportern begleiten und zeigen, wie Hamburg die Bundestagswahl 2017 erlebt.

22.09.2017
Hamburg in Wahl-Laune – hohe Beteiligung erwartet von Mike Schlink

Der Bundestagswahlkampf geht auf die Zielgerade. Viele Politiker wirken inzwischen müde und abgekämpft. Von Wahlmüdigkeit gibt’s unter Hamburgs Wahlberechtigten jedoch keine Spur – im Gegenteil. Angesichts der rekordverdächtigen Briefwahlbeteiligung – 386 166 bzw. 29,9 Prozent der Wahlberechtigten forderten die Unterlagen an (2013 waren es nur 298 433 beziehungsweise 23,3 Prozent) – geht Hamburgs Landeswahlleiter Oliver Rudolf von einer insgesamt wieder höheren Wahlbeteiligung am Sonntag aus. Bei der Bundestagswahl 2013 hatten in Hamburg 70,3 Prozent der Wahlberechtigten abgestimmt, 2009 waren es 71,3 Prozent.

22.09.2017
Rückblick: So wählte Hamburg 2013 von Mike Schlink

Sozialdemokraten oder Christdemokraten – wer landet vorne? In Hamburg lässt sich diese Frage bislang noch nicht abschließend beantworten. Bislang sieht es nach einem Kopf-an-Kopf-Rennen aus – ähnlich wie bei der Bundestagswahl 2013. Damals hatte die SPD mit 32,4 Prozent die meisten Zweitstimmen (plus 5,0 Punkte im Vergleich zur Wahl 2009) erhalten, gefolgt von der CDU mit 32,1 Prozent (plus 4,3) und den Grünen mit 12,7 Prozent (minus 2,9 Punkte). Danach kamen die Linken mit 8,8 Prozent (-2,4 Punkte). FDP und AfD kamen damals mit 4,8 (minus 8,4 Punkte) beziehungsweise 4,2 Prozent (2009 gab es die AfD noch nicht) nicht über die Fünf-Prozent-Hürde.

Bei den Erststimmen entschied die SPD 2013 fünf der sechs Wahlkreise für sich: Ein Direktmandat erzielten Johannes Kahrs (Mitte), Matthias Bartke (Altona), Niels Annen (Eimsbüttel), Metin Hakverdi (Bergedorf-Harburg) sowie Aydan Özoguz (Wandsbek). Der Wahlkreis Nord ging an Dirk Fischer (CDU). Der kandidiert in diesem Jahr nicht mehr – damit treten in Nord mit Christoph Ploß (CDU) und Dorothee Martin (SPD) zwei Bundestags-Kandidaten-Neulinge gegeneinander an. Ausgang offen.

22.09.2017
AfD verheimlicht Wahlparty-Standort von Mike Schlink

Die AfD steht vor dem größten Erfolg ihrer Parteigeschichte – gefeiert wird aber wohl heimlich, still und leise. Weil das Hofbräuhaus die Wahlparty der rechten Partei abgesagt hat, mussten die Alternative für Deutschland sich eine Alternative für die Wahlparty suchen. Inzwischen ist sie fündig geworden, kommuniziert wird der Ort jedoch nicht. „Wir haben keine Lust auf linke Chaoten“, sagt Jörn Kruse (AfD). Der Landesverband befürchtet eine Mega-Demo der Antifa. „Auch zum Schutz des Wirtes geben wir den Ort nicht bekannt“, so AfD-Sprecher Frank Peschel. Ihren wahrscheinlich historischen Einzug in den Bundestag feiern Kruse & Co. damit hinter verschlossener Tür.